Terminologisches Terrain

In der Medizin ist der Terminus Digitalisation hinlänglich bekannt, er bezeichnet dort eine Behandlungsoption bei diagnostizierter Herzinsuffizienz: the administration of digitalis (as in heart disease) until the desired physiological adjustment is attained1. Die in bestimmten Arten der Fingerhüte (lat. digitalis) enthaltenen Digitalisglykoside, in hohen Dosen toxisch, zeigen wohl dosiert eine positiv inotrope Wirkung am menschlichen Herzen, d.h. sie steigern die Kontraktionskraft und nehmen so Einfluss auf die organische Leistungsfähigkeit.

Fällt der Begriff in anderen als medizinischen (Therapie), pharmakologischen oder botanischen (Klassifizierung) Kontexten, so im respektive als Übersetzung aus dem Englischen und jedenfalls in fraglicher Gleichsetzung mit dem gebräuchlichen Substantiv digitization. Unter digitization, Digitalisierung also, versteht man den Prozess einer analog-digital-Signalumwandlung, die Überführung kontinuierlicher Größen in diskrete Werte. Es handelt sich bei der Digitalisierung nota bene um einen (und dabei nicht einmal ausgesprochen jungen) Vorgang aus dem Bereich des Ingenieurwesens respektive der Nachrichtentechnik.

Heute, um zum Kernpunkt der kurzen Hinführung zu gelangen, wird Digitalisierung vordergründig mit der Informatik als computerbasierter Wissenschaft der systematischen Informations-/Datenverarbeitung assoziiert, die als Endprodukt eines jeden Digitalisierungsvorganges bestimmbare Digitalisate (Dateien) zum Vorschein bringt. Die Digitalisierung alles Digitalisierbaren (Digitaltechnik, Digitalelektronik) ist Kennzeichen unserer Zeit.

Digitalisation

Digitalisation in der hier vorgeschlagenen und Verwendung findenden Bedeutung bezieht sich auf sämtliche diese Tatsache betreffenden sozio-kulturellen Aspekte. Wissenschaftliche Welterklärungsmodelle werden ebenso erfasst wie Phänomenologien digitaler Lebensräume, wie sie sich uns heute sukzessive, multipel und (nach wie vor) auf revolutionäre Weise(n) buchstäblich neu erschließen. Auch schwingt auf konnotativer Bedeutungsebene eine hypothetische Anlehnung an Faktoren, die dem Begriff der Zivilisation zugrunde liegen, mit.2 Banal gefragt: Was passiert eigentlich, während stattfindet, was zweifelsfrei stattfindet?

Spät, nämlich erst in den frühen 1980er Jahren, merkte Elisabeth Eisenstein in ihrer vielrezipierten Arbeit zum kulturellen Einfluss der Druckerpresse im frühen modernen Europa – heute würde man eine solche Forschungsperspektive wohl als mediologisch bezeichnen, -  an:

Unter dem Aufkommen des Buchdrucks ist die Einrichtung von Druckerpressen in urbanen Zentren über das Rheinland hinaus während einer Zeitspanne, die in den 60er Jahren des 15. Jahrhunderts beginnt und sich, sehr grob gesehen, mit dem Zeitalter der Inkunabeln deckt, zu verstehen. Hier haben bisher erst so wenige Untersuchungen angesetzt, dass die Prägung eines allgemein gebräuchlichen Begriffes noch aussteht. Man könnte von einer grundlegenden Veränderung einer Form der Buchproduktion, von einer Revolution im Bereich der Medien und der Kommunikation sprechen [...].3

Im Unterschied zu den hier zitierten, lange Zeit angemessener Aufmerksamkeit seitens der wissenschaftlichen community harrenden Aspekten gesellschaftlicher Neu-Konstituierung, darf die gegenwärtige kulturelle Lage betreffend durchaus eine Konjunktur forschender Untersuchungen (die ins Spiel gebrachten Bereiche Medien und Kommunikation bilden hier keinesfalls die Ausnahme) konstatiert werden.

Verweisende Splitter dürften sich hier wiederfinden.
A bit of this and a bit of that, sozusagen.

… work in progress …

  1. Merriam Webster’s Medical Dictionary, OnLine -
    http://www.merriam-webster.com/medical/digitalisation []
  2. vgl. dazu insbesondere Elias, der das Verständnis vom mit dem Zivilisationsprozess einhergehenden Wandel der Persönlichkeitsstrukturen auf Basis transformierter Sozialstrukturen prägt. Elias, Norbert: Über den Prozeß der Zivilisation. Soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen. Haus zum Falken, Basel, 1939 []
  3. Elisabeth L. Eisenstein: Die Druckerpresse. Kulturrevolutionen im frühen modernen Europa. Springer, Wien, 1997 [Engl. Originalausgabe 1983] []

One response to “Terminologisches Terrain”

  1. Phillip